Festspielhaus Hellerau

Mai/Juni 2016 – Rückblick RomAmor

Dieter Jaenicke

Saison-Endspurt: Kaum haben wir unser Sinti und Roma-Festival RomAmoR beendet, beginnt schon das nächste große Festival Projeto Brasil. Anfang Mai ist das Cullberg Ballet als ein internationales Highlight der Extraklasse zu Gast, dafür kooperieren wir mit den Dresdner Musikfestspielen. Im Juni geben wir für das Festival Kids on Stage wieder die Bühne für Kinder und Jugendliche frei.

Ein Blick zurück auf RomAmoR lohnt sich: Unsere Hommage an die Sinti- und Romakulturen war nicht nur ein Publikumserfolg (was bei dieser Thematik nicht selbstverständlich ist), sondern ein inhaltlich, politisch und ethisch ambitioniertes Projekt, das sich der größten Minderheit in Europa widmete und europaweit wahrgenommen wurde. Es gab viele bewegende und manche verstörende Momente und jede Menge großartige Musik. Einige der schönsten Augenblicke dieses Festivals entstanden allerdings abseits vom Publikum: zum Beispiel ein Expertengespräch, das wir spontan in ein Arbeitsessen umfunktionierten und das trotz ernster Thematik ein höchst vergnügliches intellektuelles Highlight wurde; zum Beispiel die Stunden nach dem Konzert von Jaco Abel und seiner Band Flamenco Eléctrico, als sich die Musiker nur mit Stimmen und Händen über Stunden bis in den frühen Morgen hinein an einem großen Tisch im Restaurant des Festspielhauses durch die Flamenco-Kultur Spaniens sangen. Das gibt es natürlich oft bei Flamencound Gipsy-Musikern, aber diese Elektro- Flamenco-Band „totally unplugged“ war schon speziell. Eine Kollegin brachte es wunderbar auf den Punkt: „Damn’, Flamenco und Whiskey bis 3 Uhr morgens ist voll meins!“

Mit dem Festival Projeto Brasil werden wir uns kurz vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit Kunst und Widerstand in Brasilien auseinandersetzen; wir haben ein Programm mit dem Besten aus den Performing Arts des Landes und dem Fokus auf die aktuelle Situation dort. Projeto Brasil ist ein Gemeinschaftsprojekt von HELLERAU Dresden mit HAU Berlin, tanzhaus nrw Düsseldorf, Mousonturm Frankfurt und Kampnagel Hamburg. Eine solche Zusammenarbeit hat es in dieser Form noch nie gegeben. Die Eröffnung wird am 19. Mai in HELLERAU sein, die Schirmherrschaft für das Festival hat die Kulturstaatsministerin Monika Grütters übernommen. Und ein weiteres Novum: Erstmals eröffnet HELLERAU für das Projeto Brasil im Hole of Fame in der Neustadt eine temporäre Zweigstelle.

Auch bei Kids on Stage gibt es ein Novum: Erstmals findet das Festival mit internationaler Beteiligung und in Kooperation mit der UNESCO statt: Zwei Theaterprojekte aus El Salvador und Rio de Janeiro erzählen von den ganz anderen Lebensumständen von Jugendlichen in Lateinamerika. Und noch eine Neuigkeit: Cindy Hammer ist die erste Dresdner Choreografin, die über die LINIE-08-Förderung hinaus assoziierte Künstlerin von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden wird. Das sichert ihr und ihrer Company GO PLASTIC gute Produktionsbedingungen und Unterstützung des Hauses für die nächsten zwei Jahre.

Auf dem großen Schild neben dem Eingang zum Festspielhaus-Gelände hat jemand einen kleinen Aufkleber „Schön, dass Du da bist“ geklebt. Das finden wir auch! Und es hat uns sehr gefreut! Viel Spaß!

Dieter Jaenicke

Europäisches Zentrum der Künste Dresden