Festspielhaus Hellerau

Jan/Feb 2018 – Welcome to Hell

Dieter Jaenicke

Der Titel wurde durch die Demonstrationen gegen den G20-Gipfel in Hamburg bekannt, aber das Copyright müssen wir schon für HELLERAU reklamieren. Die Abkürzung von HELLERAU gehört bei uns schon lange zur internen Wortwahl, genauso wie z. B. Yoga in Hell, Let’s meet in Hell usw. Es ist ja auch nicht ausgemacht, ob die Hölle nicht doch spannender ist als der Himmel – wer will schon ausschließlich mit Engeln oder Jungfrauen zu tun haben?

Im Ernst: Ein bisschen Sympathy for the Devil, ein bisschen Widerständigkeit und Anderssein gehört schon zu HELLERAU und dazu laden wir für das letzte halbe Jahr unserer Zeit in HELLERAU ein. Und wir beginnen genauso: mit Maguy Marins zärtlich-absurdem Endzeit-Spektakel May B – ein absolutes Meisterwerk –, mit der Companhia Brasileira de Teatro und ihrem großartig nachdenklichen Stück Preto über Rassismus, Anderssein, Gleichheit und Ungleichheit. Bis zum Sommer folgen Projekte über digital feminism, über Syrien, die kritische Reflexion zum Zustand Europas B-Europe, eine Reihe mit herausragenden Tanzsolos und -duos, große Gastspiele und Koproduktionen von Akram Khan, Hofesh Shechter, Louise Lecavalier, von Batsheva – the Young Ensemble und vieles vieles mehr.

Ein kleiner Blick zurück: HELLERAU hat sich in den letzen Jahren zu einem wichtigen Forum für Stadtpolitik und urbane Diskurse entwickelt, sehr viel in Community-Arbeit investiert, ist zu einem viel beachteten experimentellen Raum für Migrationsarbeit und Integration von Geflüchteten geworden. Mit seinem Programm, seinem internationalen Renommee und seinem auch 2017 weiter gewachsenen Publikum gehört es heute zu den erfolgreichsten internationalen Produktionszentren in Deutschland, auch wenn manche Politiker in Dresden immer noch hartnäckig versuchen, etwas anderes auszurechnen. 2017 haben wir u. a. im Februar mit „Mashreq to Maghreb“ ein europaweit wahrgenommenes Festival über zeitgenössischen Tanz und andere Künste aus dem Maghreb und der arabischen Welt veranstaltet. Im Juni gab es die Europapremiere des neuen Stücks der Batsheva Dance Company, die wohl weltweit beste Company der Gegenwart. Als Tanzort ist HELLERAU von der europäischen Landkarte nicht mehr wegzudenken. Mit dem Projekt Rekonstruktion der Zukunft haben wir die Geschichte des Festspielhauses, die legendäre Appia-Bühne und den von Salzmann-Lichtraum zum ersten Mal seit über 100 Jahren wieder hergestellt und, wie uns viele sagten, „damit ein Stück Theatergeschichte geschrieben“. Das Projekt Rekonstruktion der Zukunft ist nun auf der Bewerbungsliste für die Architektur-Biennale in Venedig und die Bühnenbild-Quadriennale in Prag.

Für das nächste und letzte halbe Jahr mit uns laden wir Sie noch einmal, nein, noch ganz oft nach HELLERAU ein. Genießen, erleben, erfahren Sie diesen wunderbaren Ort mit uns, mit den Künstlerinnen und Künstlern, die wir einladen und Ihnen vorstellen, mit den Projekten, mit denen wir uns einmischen und Unruhe schaffen, mit den großen emotionalen Momenten, die die Bühne des Festspielhauses vermitteln kann, mit der Atmosphäre, die in HELLERAU anders, persönlicher, direkter und offener ist als in vielen anderen Theatern. In diesem Sinne. WELCOME TO HELL!

Und ein besseres Neues Jahr wünschen wir natürlich auch.

Dieter Jaenicke und das HELLERAU-Team

Europäisches Zentrum der Künste Dresden

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